Wenig fressen, wenig atmen, wenig bewegen – so kommt der Rothirsch auch bei Blitzeis gut durch den Winter
Damit die Not nach langanhaltender Kälteperiode nicht lebensbedrohlich wird, ist der Rothirsch im Winter aber nicht nur auf Diät. Er ist auch ein aktiver Energiesparer; Rothirsche „drehen“ ihre Körperheizung auf Sparflamme und stehen still in der Landschaft, um weniger Kalorien zu verbrennen.
Der bis zu 200 Kilogramm schwere Pflanzenfresser fällt in eine Art Stoffwechselruhe. Er reduziert seine Körpertemperatur und den Herzschlag von etwa 70 auf rund 40 Schläge in der Minute. Atmung und Puls werden deutlich langsamer. Der größte „Energiespar-Clou“ des Diätkünstlers geht noch einen Schritt weiter: Seine inneren Organe – Leber, Niere, Verdauungstrakt und sogar sein Herz – schrumpfen.
„Spaziergänger sollten dem Tier die überlebenswichtige Auszeit gönnen und den Energiesparer möglichst nicht aufscheuchen“, so Kinser. „Hundehalter, Reiter, Mountainbiker, Schlitten- oder Skifahrer müssen auf offiziellen Wegen bleiben und sollten nicht in der Dämmerung unterwegs sein. Ist der Rothirsch gezwungen für die Flucht seinen Stoffwechsel hochzufahren, muss er hinterher fressen, um die Energiereserven wieder aufzufüllen – und die Winterlandschaft hat nicht viel zu bieten.“