Überblick
- Kurz erklärt: Was ist ein Finanzplan?
- Was gehört in einen Finanzplan?
- Finanzplan, Budget und Liquiditätsplan: Wo liegt der Unterschied?
- Finanzplan erstellen: Schritt für Schritt
- 1. Projekt, Zeitraum und Verantwortlichkeiten festlegen
- 2. Sämtliche Projektkosten erfassen
- 3. Einnahmen nicht nur addieren, sondern bewerten
- 4. Kostenplan für das Musterprojekt aufstellen
- 5. Kapitalbedarf berechnen
- 6. Monatlichen Liquiditätsplan erstellen
- 7. Fördermittel richtig einplanen
- 8. Finanzierung auf mehrere Säulen verteilen
- 9. Mit Szenarien statt mit Wunschzahlen planen
- 10. Kredit, Zinsen und Tilgung berechnen
- 11. Plan und Wirklichkeit regelmäßig vergleichen
- Die wichtigsten Kennzahlen
- Vorlage: So bauen Sie Ihren Finanzplan auf
- Typische Fehler bei der Finanzplanung
- Nur Jahressummen betrachten
- Bewilligung mit Zahlungseingang verwechseln
- Personalkosten zu knapp kalkulieren
- Unsichere Einnahmen voll ansetzen
- Verwaltung und Projektabschluss vergessen
- Förderbedingungen erst nach der Bewilligung lesen
- Einen Kredit nur nach der Monatsrate auswählen
- Den Finanzplan nach Projektbeginn abheften
- Checkliste: Ist der Finanzplan belastbar?
- Häufige Fragen zur Finanzplanung
- Was gehört in einen Finanzplan?
- Wie erstelle ich einen Finanzplan für ein Projekt?
- Was ist der Unterschied zwischen Budget und Finanzplan?
- Was ist der Unterschied zwischen Finanzplan und Liquiditätsplan?
- Wie berechne ich den Kapitalbedarf?
- Wie werden Fördermittel im Finanzplan berücksichtigt?
- Wie plane ich Spenden realistisch?
- Wie hoch sollte der Liquiditätspuffer sein?
- Wann benötigt ein Verein einen Tilgungsplan?
- Wie oft sollte der Finanzplan überprüft werden?
- Fazit: Ein guter Finanzplan zeigt den Engpass vor dem Kontostand
- Quellen
Kurz erklärt: Was ist ein Finanzplan?
Kurz erklärt
Ein Finanzplan stellt den Kapitalbedarf, die erwarteten Einnahmen und Ausgaben, die Finanzierung sowie die zeitlichen Zahlungsströme eines Vorhabens gegenüber. Er zeigt, ob das geplante Budget ausreicht und ob das Projekt während seiner gesamten Laufzeit zahlungsfähig bleibt.
Ein Finanzplan ist mehr als eine Liste von Kosten. Er verbindet mehrere Teilpläne, die unterschiedliche Aufgaben erfüllen. Wer nur die Jahressummen betrachtet, kann einen vorübergehenden Liquiditätsengpass leicht übersehen.
Was gehört in einen Finanzplan?
| Bestandteil | Zentrale Frage | Typischer Inhalt |
|---|---|---|
| Kosten- oder Budgetplan | Wofür wird Geld benötigt? | Personal, Honorare, Räume, Material, Technik und Verwaltung |
| Einnahmenplan | Mit welchen Mitteln wird gerechnet? | Fördermittel, Spenden, Beiträge, Sponsoring und Eigeneinnahmen |
| Kapitalbedarfsplan | Wie viel Geld muss insgesamt bereitstehen? | Investitionen, laufende Kosten, Vorlaufkosten und Puffer |
| Finanzierungsplan | Woher kommt das benötigte Geld? | Eigenmittel, Zuschüsse, Drittmittel und gegebenenfalls Darlehen |
| Liquiditätsplan | Wann geht Geld ein und wann fließt es ab? | Monatliche Einzahlungen, Auszahlungen und Kontostände |
| Tilgungsplan | Wie wird ein Darlehen zurückgezahlt? | Rate, Zinsen, Tilgung, Laufzeit und Restschuld |
| Plan-Ist-Vergleich | Wo weicht die Realität von der Planung ab? | Tatsächliche Einnahmen und Ausgaben sowie notwendige Maßnahmen |
Industrie- und Handelskammern gliedern die finanzielle Planung regelmäßig in Kapitalbedarf, Finanzierung, Liquidität und wirtschaftliche Tragfähigkeit.[1]_ Für Vereine und soziale Projekte kommen besondere Fragen hinzu: Wann dürfen Fördermittel abgerufen werden? Welche Ausgaben erkennt der Fördergeber an? Sind Spenden zweckgebunden? Und wie sicher sind Einnahmen, die bislang nur erwartet werden?
Finanzplan, Budget und Liquiditätsplan: Wo liegt der Unterschied?
Die Begriffe werden im Alltag häufig durcheinandergebracht. Für eine brauchbare Planung sollten sie getrennt werden.
Das Projektbudget zeigt, welche Einnahmen und Ausgaben für das gesamte Vorhaben vorgesehen sind. Ein ausgeglichenes Budget bedeutet: Die geplanten Einnahmen decken rechnerisch die geplanten Ausgaben.
Der Finanzierungsplan zeigt, aus welchen Quellen das Projekt bezahlt werden soll. Bei einem Förderantrag können darin beispielsweise Eigenmittel, Fördermittel und Drittmittel aufgeführt werden. Wird das Projekt bewilligt, kann der Ausgaben- und Finanzierungsplan zu einem verbindlichen Bestandteil des Zuwendungsbescheids werden.[2]_
Der Liquiditätsplan ordnet Einzahlungen und Auszahlungen den Monaten zu, in denen das Geld voraussichtlich tatsächlich fließt. Erst dieser Plan zeigt, ob das Konto zwischenzeitlich ins Minus geraten würde.
Ein Finanzplan verbindet diese Perspektiven. Für wirtschaftlich tätige Organisationen oder Sozialunternehmen kann zusätzlich eine Ertrags- oder Rentabilitätsvorschau sinnvoll sein. Bei einem zeitlich begrenzten, zuschussfinanzierten Vereinsprojekt stehen dagegen Budget, Gesamtfinanzierung und Liquidität meist im Vordergrund.
Finanzplan erstellen: Schritt für Schritt
1. Projekt, Zeitraum und Verantwortlichkeiten festlegen
Am Anfang stehen keine Zahlen, sondern klare Annahmen. Beschreiben Sie das Projekt so konkret, dass sich daraus der finanzielle Bedarf ableiten lässt:
- Wann beginnt und endet das Vorhaben?
- Welche Leistungen und Veranstaltungen sind geplant?
- Wie viele Menschen arbeiten mit?
- Welche Räume, Geräte und Materialien werden benötigt?
- Welche Ausgaben entstehen schon vor dem offiziellen Projektbeginn?
- Wer darf Ausgaben freigeben und wer kontrolliert die Zahlen?
Für ein zwölfmonatiges Projekt genügt eine Jahressumme nicht. Die Planung sollte mindestens monatlich aufgebaut werden. Bei vielen Einzelveranstaltungen oder einem hohen Personalkostenanteil kann eine feinere Planung notwendig sein.
Praxisregel: Jede größere Zahl im Finanzplan sollte auf einer nachvollziehbaren Annahme beruhen. Aus „Öffentlichkeitsarbeit: 5.000 Euro“ wird beispielsweise „Druckkosten 1.200 Euro, Anzeigen 1.800 Euro, Videoproduktion 1.500 Euro und Versand 500 Euro“.
2. Sämtliche Projektkosten erfassen
Ein häufiger Fehler besteht darin, nur die unmittelbar sichtbaren Projektaktivitäten zu kalkulieren. Ein Workshop benötigt aber nicht nur Material. Hinzu kommen Vorbereitung, Personal, Raumnutzung, Fahrtkosten, Versicherung, Kommunikation und Abrechnung.
Personalkosten
Zu den Personalkosten können gehören:
- Bruttolöhne und Arbeitgeberanteile,
- Minijobs und kurzfristige Beschäftigungen,
- Aufstockungen bestehender Stellen,
- Vertretungs- und Ausfallkosten,
- Fortbildungen und notwendige Qualifizierungen.
Honorare sollten getrennt von Personalkosten ausgewiesen werden. Der Finanzplan ersetzt dabei nicht die Prüfung, ob tatsächlich eine selbstständige Tätigkeit vorliegt.
Sach- und Betriebskosten
Typische Sachkosten sind:
- Miete und Nebenkosten,
- Materialien und Verbrauchsgüter,
- Technik, Software und Lizenzen,
- Reisekosten und Transport,
- Versicherungen,
- Veranstaltungen und Verpflegung,
- Öffentlichkeitsarbeit,
- Porto, Telefon und Bankgebühren.
Investitionen
Größere Anschaffungen sollten einzeln aufgeführt werden. Außerdem ist zu prüfen, ob der Fördergeber sie vollständig anerkennt, eine bestimmte Nutzungsdauer voraussetzt oder Vergleichsangebote verlangt.
Verwaltungskosten
Auch ein ehrenamtlich getragenes Projekt verursacht Verwaltungsaufwand: Buchhaltung, Zahlungsverkehr, Verträge, Dokumentation und Verwendungsnachweise erledigen sich nicht von selbst. Ob Verwaltungskosten direkt angesetzt oder über eine Pauschale abgerechnet werden dürfen, hängt vom jeweiligen Förderprogramm ab.
Puffer und Rücklagen
Ein Sicherheitspuffer kann sinnvoll sein, darf aber nicht einfach als frei verwendbarer Sammelposten erscheinen. Bei Förderprojekten ist zu prüfen, ob unvorhergesehene Ausgaben förderfähig sind und ob Verschiebungen zwischen Kostenpositionen genehmigt werden müssen.
Gemeinnützige Organisationen dürfen Rücklagen zudem nicht beliebig bilden. Für ihre Bildung und Verwendung gelten gemeinnützigkeitsrechtliche Voraussetzungen.[3]_ Ein Projektpuffer im Finanzplan, eine zulässige Rücklage des Vereins und ein frei verfügbares Bankguthaben sind daher nicht automatisch dasselbe.
3. Einnahmen nicht nur addieren, sondern bewerten
Die Summe der erwarteten Einnahmen sagt noch wenig über ihre Verlässlichkeit aus. Ein bewilligter Zuschuss ist anders zu bewerten als eine geplante Spendenkampagne. Auch eine Förderzusage ist nicht sofort verfügbare Liquidität, wenn die Auszahlung erst später erfolgt.
Für jede Einnahme sollten mindestens vier Angaben festgehalten werden:
- erwarteter Betrag,
- Finanzierungsquelle,
- aktueller Status,
- voraussichtlicher Zahlungstermin.
| Einnahmequelle | Betrag | Status | Erwarteter Eingang |
|---|---|---|---|
| Fördermittel einer Stiftung | 36.000 Euro | schriftlich bewilligt | 30.000 Euro im März, 6.000 Euro im September |
| Kommunaler Zuschuss | 8.000 Euro | bewilligt | Mai |
| Eigenmittel des Vereins | 5.000 Euro | verfügbar | Januar |
| Spenden | 7.000 Euro | erwartet | über das Jahr verteilt |
| Teilnahmebeiträge | 2.000 Euro | abhängig von Anmeldungen | laufend |
| Sponsoring | 2.000 Euro | in Verhandlung | geplant für Juni |
| Gesamteinnahmen | 60.000 Euro |
Eine einfache Ampel hilft bei der Bewertung:
- Grün: schriftlich zugesagt oder bereits verfügbar,
- Gelb: realistisch, aber von Spenden, Anmeldungen oder Verhandlungen abhängig,
- Rot: noch ohne belastbare Grundlage.
Die Ampel ersetzt keine Berechnung. Sie verhindert aber, dass unsichere Einnahmen im Kopf schon wie verfügbares Geld behandelt werden.
4. Kostenplan für das Musterprojekt aufstellen
Das Beispielprojekt „Lernräume im Quartier“ läuft zwölf Monate. Ein Verein bietet Lernbegleitung, Workshops und offene Nachmittage für Jugendliche an.
| Kostenposition | Betrag | Anteil am Budget |
|---|---|---|
| Personal | 30.000 Euro | 50,0 Prozent |
| Honorare | 8.000 Euro | 13,3 Prozent |
| Räume und Nebenkosten | 6.000 Euro | 10,0 Prozent |
| Lern- und Verbrauchsmaterial | 4.500 Euro | 7,5 Prozent |
| Technik und Software | 3.500 Euro | 5,8 Prozent |
| Veranstaltungen und Fahrten | 3.000 Euro | 5,0 Prozent |
| Öffentlichkeitsarbeit | 1.500 Euro | 2,5 Prozent |
| Versicherung, Verwaltung und Bank | 1.500 Euro | 2,5 Prozent |
| Geplanter Kostenpuffer | 2.000 Euro | 3,3 Prozent |
| Gesamtausgaben | 60.000 Euro | 100 Prozent |
Das Budget ist rechnerisch ausgeglichen: 60.000 Euro Einnahmen stehen 60.000 Euro Ausgaben gegenüber. Ob das Projekt jederzeit zahlungsfähig ist, lässt sich daraus jedoch noch nicht ablesen.
5. Kapitalbedarf berechnen
Der Kapitalbedarf beschreibt, wie viel Geld bereitgestellt werden muss, damit das Vorhaben starten und die erste Phase überstehen kann.
Vereinfacht lässt er sich so darstellen:
Kapitalbedarf = Investitionen + Vorlaufkosten + laufende Kosten bis zum ersten größeren Mittelzufluss + Sicherheitspuffer - bereits verfügbare Mittel
Für das Musterprojekt entstehen bis Ende Februar Auszahlungen von insgesamt 13.500 Euro. Bis dahin gehen aber nur 6.000 Euro ein. Der zwischenzeitliche Finanzierungsbedarf beträgt deshalb 7.500 Euro.
Diese Lücke verschwindet im März, wenn die erste Förderrate eingeht. Trotzdem muss sie vorher geschlossen werden. Mögliche Lösungen sind:
- ein früherer Mittelabruf,
- eine Abschlagszahlung,
- zusätzliche Eigenmittel,
- ein verschobener Projektstart,
- eine abgestufte Beschaffung,
- eine schriftlich vereinbarte Zwischenfinanzierung.
6. Monatlichen Liquiditätsplan erstellen
Ein Liquiditätsplan stellt die erwarteten Einzahlungen und Auszahlungen im Zeitverlauf gegenüber. Er soll zeigen, in welchem Monat ein Fehlbetrag droht.[4]_
| Monat | Einzahlungen | Auszahlungen | Monatssaldo | Kontostand |
|---|---|---|---|---|
| Januar | 5.500 Euro | 7.000 Euro | -1.500 Euro | -1.500 Euro |
| Februar | 500 Euro | 6.500 Euro | -6.000 Euro | -7.500 Euro |
| März | 31.000 Euro | 5.500 Euro | +25.500 Euro | 18.000 Euro |
| April | 1.000 Euro | 4.500 Euro | -3.500 Euro | 14.500 Euro |
| Mai | 9.000 Euro | 4.500 Euro | +4.500 Euro | 19.000 Euro |
| Juni | 2.500 Euro | 5.000 Euro | -2.500 Euro | 16.500 Euro |
| Juli | 1.000 Euro | 4.500 Euro | -3.500 Euro | 13.000 Euro |
| August | 1.000 Euro | 4.000 Euro | -3.000 Euro | 10.000 Euro |
| September | 6.500 Euro | 5.000 Euro | +1.500 Euro | 11.500 Euro |
| Oktober | 500 Euro | 4.500 Euro | -4.000 Euro | 7.500 Euro |
| November | 500 Euro | 4.500 Euro | -4.000 Euro | 3.500 Euro |
| Dezember | 1.000 Euro | 4.500 Euro | -3.500 Euro | 0 Euro |
| Gesamt | 60.000 Euro | 60.000 Euro | 0 Euro | 0 Euro |
Das Beispiel zeigt den entscheidenden Unterschied zwischen Budget und Liquidität. Obwohl das Jahresbudget vollständig finanziert ist, fehlen Ende Februar 7.500 Euro. Ohne Vorfinanzierung könnte der Verein Rechnungen nicht fristgerecht bezahlen.
Der niedrigste Kontostand ist deshalb eine der wichtigsten Kennzahlen des gesamten Finanzplans.
7. Fördermittel richtig einplanen
Bei Fördermitteln zählt nicht nur die bewilligte Summe. Für den Finanzplan müssen die konkreten Förderbedingungen gelesen werden:
- Welche Kosten sind förderfähig?
- Ist ein Eigenanteil erforderlich?
- Werden Mittel im Voraus oder nachträglich ausgezahlt?
- Müssen Mittel einzeln abgerufen werden?
- Sind Verschiebungen zwischen Kostenpositionen erlaubt?
- Welche Belege und Nachweise werden verlangt?
- Bis wann müssen die Mittel verwendet werden?
Die Deutsche Stiftung für Engagement und Ehrenamt weist darauf hin, dass der Ausgaben- und Finanzierungsplan sämtliche projektbezogenen Ausgaben sowie die beantragten Fördermittel enthalten soll.[2]_ Einzelne Programme können Eigenanteile, Höchstbeträge oder besondere Nachweisregeln festlegen. Diese Bedingungen dürfen nicht aus einem anderen Förderprogramm übernommen werden.
Wichtig: Ein Finanzplan für einen Förderantrag ist keine Wunschliste. Er muss zum Projektkonzept passen. Zusätzliche Workshops, Personalstunden oder Anschaffungen brauchen eine inhaltliche Begründung.
8. Finanzierung auf mehrere Säulen verteilen
Mögliche Finanzierungsquellen für Vereine und soziale Projekte sind:
Fördermittel
Zuschüsse können einen großen Teil des Budgets abdecken. Sie sind jedoch häufig zweckgebunden und an Fristen, Eigenanteile und Nachweise gekoppelt.
Spenden
Spenden sind flexibel, sofern sie nicht für einen bestimmten Zweck gegeben wurden. Ihre Höhe ist allerdings schwerer planbar. Konservative Annahmen sind deshalb sinnvoller als ein optimistischer Kampagnenwert.
Mitgliedsbeiträge und Eigenmittel
Regelmäßige Beiträge und vorhandene freie Mittel können die Vorfinanzierungsfähigkeit stärken. Es muss aber klar sein, welcher Anteil tatsächlich für das Projekt eingesetzt werden darf.
Sponsoring
Sponsoring ist keine Spende, wenn der Geldgeber dafür eine werbliche oder wirtschaftliche Gegenleistung erhält. Einnahmen aus Sponsoring sollten deshalb steuerlich und vertraglich sauber eingeordnet werden.[5]_
Eigene Leistungen und Teilnahmebeiträge
Einnahmen aus Veranstaltungen, Kursen oder Dienstleistungen können die Finanzierung ergänzen. Sie hängen jedoch häufig von Teilnehmerzahlen ab und sollten nicht zu optimistisch kalkuliert werden.
Crowdfunding
Crowdfunding kann Finanzierung und Öffentlichkeitsarbeit verbinden. Vom Bruttoergebnis sind Plattformgebühren, Zahlungsgebühren, Prämien und Versandkosten abzuziehen.
Darlehen und Zwischenfinanzierung
Ein Kredit kann eine zeitliche Lücke schließen, schafft aber eine neue regelmäßige Verpflichtung. Die spätere Auszahlung eines Zuschusses darf nur dann als Rückzahlungsquelle eingeplant werden, wenn sie belastbar zugesagt ist und die Förderbedingungen eine solche Konstruktion zulassen.
Mehrere Finanzierungsquellen können Risiken verteilen. Eine zu komplizierte Mischfinanzierung erhöht allerdings den Verwaltungsaufwand. Jede Quelle kann eigene Fristen, Nachweise und Zweckbindungen mitbringen.
Weiterführend erklärt das NGO-online-Lexikon, wodurch sich eine Nichtregierungsorganisation auszeichnet und welche Finanzierungsquellen für NGOs typisch sind.
9. Mit Szenarien statt mit Wunschzahlen planen
Ein Finanzplan ist keine Vorhersage. Er ist ein Modell. Deshalb sollte neben dem Basisszenario mindestens eine vorsichtige Variante gerechnet werden.
| Szenario | Annahme | Auswirkung | Mögliche Reaktion |
|---|---|---|---|
| Basis | Einnahmen und Ausgaben wie geplant | Budget ausgeglichen | reguläre Umsetzung |
| Vorsichtig | Spenden 20 Prozent niedriger, Sponsoring zwei Monate später | zusätzliche Lücke von 3.400 Euro | Ausgaben staffeln und Kampagne verstärken |
| Krise | Sponsoring entfällt, Kosten steigen um 5 Prozent | Fehlbetrag von 5.000 Euro | Projektumfang reduzieren oder neue Finanzierung sichern |
Szenarien sind besonders dann hilfreich, wenn Einnahmen unsicher sind oder zwischen Antrag und Projektbeginn viel Zeit liegt. Sie zwingen die Verantwortlichen, vorab festzulegen, welche Ausgaben unverzichtbar sind und welche Aktivitäten notfalls verschoben werden können.
10. Kredit, Zinsen und Tilgung berechnen
Nicht jedes soziale Projekt benötigt einen Kredit. Wird ein Darlehen eingesetzt, gehören Rate und Rückzahlung vollständig in den Liquiditätsplan.
Bei einem Annuitätendarlehen bleibt die Rate während der vereinbarten Zinsbindung grundsätzlich gleich. Sie setzt sich aus Zins und Tilgung zusammen. Mit sinkender Restschuld sinkt der Zinsanteil; der Tilgungsanteil steigt.[6]_
Beispielrechnung
Angenommen, ein Verein nimmt zur Zwischenfinanzierung ein Darlehen über 10.000 Euro auf:
- Darlehensbetrag: 10.000 Euro
- angenommener Sollzins: 6 Prozent pro Jahr
- Laufzeit: 24 Monate
- monatliche Annuität: rund 443,21 Euro
- gesamte Zinsbelastung bei unverändertem Verlauf: rund 636,95 Euro
| Monat | Rate | Zinsanteil | Tilgungsanteil | Restschuld |
|---|---|---|---|---|
| 1 | 443,21 Euro | 50,00 Euro | 393,21 Euro | 9.606,79 Euro |
| 2 | 443,21 Euro | 48,03 Euro | 395,17 Euro | 9.211,62 Euro |
| 3 | 443,21 Euro | 46,06 Euro | 397,15 Euro | 8.814,47 Euro |
Die Rechnung ist ein vereinfachtes Beispiel ohne Gebühren, abweichende Zinstage oder zusätzliche Kosten. Vor einer Kreditaufnahme sollten mindestens Effektivzins, Gesamtbetrag, Laufzeit, Sicherheiten, Sondertilgungen und mögliche Vorfälligkeitskosten verglichen werden.
Kreditvermittler können zusätzliche Provisionen verursachen. Die Verbraucherzentrale rät deshalb zu besonderer Vorsicht bei vermittelten Darlehen.[7]_
11. Plan und Wirklichkeit regelmäßig vergleichen
Nach Projektbeginn wird aus dem Finanzplan ein Controlling-Instrument. Ein monatlicher Plan-Ist-Vergleich zeigt, ob einzelne Kosten aus dem Ruder laufen oder Einnahmen später beziehungsweise niedriger eintreffen.
| Position | Plan | Ist | Abweichung | Maßnahme |
|---|---|---|---|---|
| Spenden | 4.000 Euro | 3.000 Euro | -1.000 Euro | Kampagne nachsteuern |
| Personalkosten | 15.000 Euro | 15.600 Euro | +600 Euro | Restlaufzeit neu rechnen |
| Material | 2.500 Euro | 2.100 Euro | -400 Euro | keine Maßnahme |
| Veranstaltungen | 1.500 Euro | 2.100 Euro | +600 Euro | Folgeausgaben begrenzen |
Nicht jede Abweichung ist ein Problem. Entscheidend ist, ob sie den Projektzweck, die Gesamtfinanzierung oder die Liquidität gefährdet. Bei geförderten Projekten sollte frühzeitig geprüft werden, ob eine Änderung dem Fördergeber gemeldet oder von ihm genehmigt werden muss.
Die wichtigsten Kennzahlen
Ein umfangreicher Finanzplan kann viele Zahlen enthalten. Für die laufende Steuerung reichen oft wenige Kennzahlen:
- Gesamtfinanzierungsquote: Wie viel Prozent der geplanten Einnahmen sind verbindlich zugesagt?
- Niedrigster Kontostand: Wie groß ist der maximale Zwischenfinanzierungsbedarf?
- Personalkostenquote: Welcher Anteil des Budgets entfällt auf Personal?
- Verbrauch des Kostenpuffers: Wie viel Reserve wurde bereits benötigt?
- Plan-Ist-Abweichung: Wo liegen Einnahmen oder Ausgaben außerhalb der vereinbarten Toleranz?
- Reichweite der Liquidität: Wie lange können die fälligen Ausgaben aus vorhandenen Mitteln bezahlt werden?
Eine Kennzahl ist nur dann nützlich, wenn vorher feststeht, wer bei einer kritischen Abweichung handelt.
Vorlage: So bauen Sie Ihren Finanzplan auf
Für eine einfache Tabellenkalkulation reichen zunächst sechs Arbeitsblätter:
- Annahmen: Laufzeit, Personal, Termine und zentrale Planungsgrundlagen
- Kosten: alle Ausgaben nach Kategorien
- Einnahmen: Quelle, Betrag, Status und Zahlungstermin
- Liquidität: monatliche Ein- und Auszahlungen
- Szenarien: Basis-, Vorsichts- und Krisenfall
- Plan-Ist: tatsächliche Werte, Abweichungen und Maßnahmen
Jede Position sollte mindestens diese Spalten enthalten:
| Kategorie | Beschreibung | Betrag | Fälligkeit | Status oder Beleg |
|---|---|---|---|---|
| Beispiel | Raummiete Workshop | 750 Euro |
| Vertrag liegt vor |
Für den Einnahmenplan kommen zusätzlich Finanzierungsquelle, Bewilligungsstatus und erwarteter Zahlungseingang hinzu. Im Plan-Ist-Blatt werden Planwert, tatsächlicher Wert, Abweichung und beschlossene Maßnahme nebeneinandergestellt.
Typische Fehler bei der Finanzplanung
Nur Jahressummen betrachten
Ein ausgeglichenes Jahresbudget schützt nicht vor einem Minus auf dem Konto. Die Zahlungszeitpunkte müssen monatlich geplant werden.
Bewilligung mit Zahlungseingang verwechseln
Ein Förderbescheid ist noch kein Kontostand. Mittelabruf, Abschlagszahlungen und Auszahlungsfristen gehören in den Liquiditätsplan.
Personalkosten zu knapp kalkulieren
Bruttogehalt und tatsächliche Arbeitgeberkosten sind nicht identisch. Auch Ausfallzeiten, Vertretungen oder tarifliche Veränderungen können relevant sein.
Unsichere Einnahmen voll ansetzen
Spenden, Sponsoring und Teilnahmebeiträge sollten mit realistischen Annahmen und einem vorsichtigen Szenario geplant werden.
Verwaltung und Projektabschluss vergessen
Buchhaltung, Dokumentation und Verwendungsnachweis verursachen auch nach der letzten Veranstaltung Arbeit und Kosten.
Förderbedingungen erst nach der Bewilligung lesen
Nicht jede notwendige Ausgabe ist automatisch förderfähig. Auch Umschichtungen, Vergaben oder Anschaffungen können besonderen Regeln unterliegen.
Einen Kredit nur nach der Monatsrate auswählen
Eine niedrige Rate kann durch eine lange Laufzeit teuer werden. Maßgeblich sind auch Effektivzins, Gesamtbetrag, Gebühren, Sicherheiten und Restschuld.
Den Finanzplan nach Projektbeginn abheften
Ein Plan, der nicht mit den tatsächlichen Zahlen verglichen wird, kann seine Warnfunktion nicht erfüllen.
Checkliste: Ist der Finanzplan belastbar?
- Projektzeitraum und Aktivitäten sind konkret beschrieben.
- Sämtliche Personal-, Sach-, Investitions- und Verwaltungskosten sind erfasst.
- Einnahmen sind nach Sicherheit und Zahlungstermin bewertet.
- Förderbedingungen und Eigenanteile wurden geprüft.
- Ein monatlicher Liquiditätsplan liegt vor.
- Der niedrigste erwartete Kontostand ist bekannt.
- Ein Vorsichts- und ein Krisenszenario wurden gerechnet.
- Kredite enthalten Zins, Tilgung, Gebühren und Laufzeit.
- Zuständigkeiten für Freigabe und Kontrolle sind festgelegt.
- Ein regelmäßiger Plan-Ist-Vergleich ist terminiert.
Häufige Fragen zur Finanzplanung
Was gehört in einen Finanzplan?
Ein vollständiger Finanzplan enthält mindestens Kosten, Einnahmen, Kapitalbedarf, Finanzierung und die zeitliche Liquiditätsplanung. Bei einem Kredit kommt ein Tilgungsplan hinzu. Nach Projektbeginn sollte ein Plan-Ist-Vergleich geführt werden.
Wie erstelle ich einen Finanzplan für ein Projekt?
Definieren Sie zuerst Projektumfang und Laufzeit. Erfassen Sie danach sämtliche Kosten und Einnahmen, ordnen Sie die Zahlungen den jeweiligen Monaten zu und berechnen Sie den niedrigsten Kontostand. Abschließend sollten mindestens ein vorsichtiges und ein kritisches Szenario geprüft werden.
Was ist der Unterschied zwischen Budget und Finanzplan?
Das Budget stellt die geplanten Gesamteinnahmen und Gesamtausgaben gegenüber. Der Finanzplan geht weiter: Er zeigt auch die Herkunft und Sicherheit der Finanzierung, den Kapitalbedarf und die Zahlungszeitpunkte.
Was ist der Unterschied zwischen Finanzplan und Liquiditätsplan?
Der Finanzplan beschreibt die gesamte finanzielle Konstruktion eines Vorhabens. Der Liquiditätsplan ist ein Teil davon und zeigt, wann Geld tatsächlich eingeht oder ausgegeben wird.
Wie berechne ich den Kapitalbedarf?
Addieren Sie Investitionen, Vorlaufkosten, laufende Ausgaben bis zum nächsten sicheren Mittelzufluss und einen begründeten Puffer. Ziehen Sie bereits verfügbare Mittel ab. Der höchste verbleibende Fehlbetrag ist der Finanzierungsbedarf.
Wie werden Fördermittel im Finanzplan berücksichtigt?
Fördermittel werden mit bewilligtem Betrag, Eigenanteil, Mittelabruf und erwartetem Zahlungstermin eingetragen. Zusätzlich müssen förderfähige Kostenarten, Fristen und Nachweispflichten beachtet werden.
Wie plane ich Spenden realistisch?
Nutzen Sie vorhandene Erfahrungswerte und unterscheiden Sie zwischen wiederkehrenden, bereits zugesagten und nur erwarteten Spenden. Rechnen Sie zusätzlich ein Szenario mit niedrigeren Einnahmen.
Wie hoch sollte der Liquiditätspuffer sein?
Es gibt keinen für jedes Projekt passenden Prozentsatz. Der Puffer sollte sich aus den konkreten Risiken ergeben: verspätete Zahlungen, Kostensteigerungen, Ausfälle und notwendige Vorfinanzierungen. Förder- und Gemeinnützigkeitsregeln sind dabei zu beachten.
Wann benötigt ein Verein einen Tilgungsplan?
Sobald das Projekt oder der Verein ein Darlehen aufnimmt. Der Tilgungsplan zeigt Rate, Zinsen, Tilgung und Restschuld und macht sichtbar, wie stark die Rückzahlung die künftige Liquidität belastet.
Wie oft sollte der Finanzplan überprüft werden?
Bei laufenden Projekten ist ein monatlicher Plan-Ist-Abgleich sinnvoll. Bei wenigen Zahlungen kann ein längerer Rhythmus ausreichen. Vor großen Ausgaben, Mittelabrufen oder Änderungen des Projekts sollte der Plan zusätzlich aktualisiert werden.
Fazit: Ein guter Finanzplan zeigt den Engpass vor dem Kontostand
Ein Finanzplan ist dann wertvoll, wenn er eine Entscheidung ermöglicht. Er zeigt nicht nur, wie teuer ein Projekt ist, sondern auch, welche Einnahmen belastbar sind, wann Geld fehlt und welche Reaktion vorbereitet werden muss.
Das Musterprojekt ist über das gesamte Jahr mit 60.000 Euro ausgeglichen. Trotzdem entsteht bis Ende Februar eine Liquiditätslücke von 7.500 Euro. Genau diese Information entscheidet darüber, ob das Projekt geordnet starten kann oder schon vor der ersten Förderauszahlung unter Druck gerät.
Wer Kosten, Finanzierung und Zahlungszeitpunkte miteinander verbindet, macht aus einer Aufstellung von Zahlen ein Steuerungsinstrument. Das hilft dem Vorstand, der Projektleitung und möglichen Förderern gleichermaßen: Annahmen werden nachvollziehbar, Risiken sichtbar und Entscheidungen überprüfbar.
Hinweis
Die Beispielrechnungen dienen der allgemeinen Information. Sie ersetzen keine individuelle Steuer-, Rechts-, Fördermittel- oder Finanzberatung. Förderbedingungen, Gemeinnützigkeitsrecht und Kreditkonditionen müssen für das jeweilige Vorhaben gesondert geprüft werden.
Quellen
| [1] | Industrie- und Handelskammer Köln: Das Finanztool als Vorlage für Ihre Finanzplanung. |
| [2] | Deutsche Stiftung für Engagement und Ehrenamt: FAQ zum Förderprozess. |
| [3] | Bundesministerium der Finanzen: Anwendungserlass zur Abgabenordnung, Ausführungen zu Paragraph 62. |
| [4] | Industrie- und Handelskammer Schleswig-Holstein: Liquiditätsplan. |
| [5] | Deutsche Stiftung für Engagement und Ehrenamt: Die Einnahmen eines Vereins. |
| [6] | Verbraucherzentrale: Immobilienfinanzierung: Diese Modelle gibt es. |
| [7] | Verbraucherzentrale: Kredite und Darlehen: Auch beim Geldleihen lässt sich sparen. |
